{"id":240378,"date":"2022-03-17T18:16:38","date_gmt":"2022-03-17T16:16:38","guid":{"rendered":"https:\/\/brghamerling.at\/?p=240378"},"modified":"2022-03-17T18:19:00","modified_gmt":"2022-03-17T16:19:00","slug":"bei-einer-linde-von-joseph-eichendorff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/brghamerling.at\/?p=240378","title":{"rendered":"\u201eBei einer Linde\u201c von Joseph Eichendorff"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; _builder_version=&#8220;4.14.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.14.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column _builder_version=&#8220;4.14.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; type=&#8220;4_4&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.14.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Bei einer Linde<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Seh ich dich wieder, du geliebter Baum, <\/em><br \/><em>In dessen junge Triebe <\/em><br \/><em>Ich einst in jenes Fr\u00fchlings sch\u00f6nstem Traum <\/em><br \/><em>Den Namen schnitt von meiner ersten Liebe? <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Wie anders ist seitdem der \u00c4ste Bug, <\/em><br \/><em>Verwachsen und verschwunden <\/em><br \/><em>Im h\u00e4rtren Stamm der vielgeliebte Zug, <\/em><br \/><em>Wie ihre Liebe und die sch\u00f6nen Stunden! <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Auch ich seitdem wuchs stille fort, wie du, <\/em><br \/><em>Und nichts an mir wollt weilen, <\/em><br \/><em>Doch meine Wunde wuchs &#8211; und wuchs nicht zu, <\/em><br \/><em>Und wird wohl niemals mehr hienieden heilen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Gedicht \u201eBei einer Linde\u201c von Joseph Eichendorff stammt aus dem Jahre 1826 und ist der Epoche der Romantik zuzuschreiben. Bekannte Motive dieser Zeit, wie die Hinwendung zur Natur und zum Traum, sind in dem Werk verwirklicht. <br \/>Es umfasst die Sehnsucht nach einer l\u00e4ngst vergangenen Liebesgeschichte, der das lyrische Ich nicht zu entkommen vermag.<\/p>\n<p>\u201eBei einer Linde\u201c besteht aus drei Strophen mit jeweils vier Versen, die einen durchgehenden Kreuzreim aufweisen und in Jamben verfasst sind.<br \/>Das lyrische Ich wirkt zwar nicht zutiefst betr\u00fcbt, aber der Gedanke an die erste verflossene Liebe schmerzt es trotzdem noch und scheint es auch nicht loszulassen. Au\u00dferdem wird eine Ver\u00e4nderung beschrieben, die sich wohl in den letzten Jahren abgespielt haben muss.<\/p>\n<p>Der erste Vers des Gedichts beginnt mit einer Wortk\u00fcrzung (\u201eSeh\u201c), die den Lesefluss vermutlich verbessern soll. Au\u00dferdem kann die ganze erste Strophe als rhetorische Frage betrachtet werden. Sie handelt vom lyrischen Ich, das vor langer Zeit den Namen der ersten Liebe, als eine Art Liebesbeweis, in besagte Linde schnitt. Dadurch, dass der Name zuvor in deren junge Triebe geritzt wurde, es sich aber mittlerweile schon um einen gr\u00f6\u00dferen Baum handelt, ist davon auszugehen, dass schon viel Zeit seit der Beziehung vergangen ist.<br \/>Im dritten Vers kann man eine Metapher erkennen (\u201ein jenes Fr\u00fchlings sch\u00f6nstem Traum\u201c), die auf Fr\u00fchlingsgef\u00fchle anspielt und auch auf die tr\u00e4umerische Lebensweise, die man durch seine erste gro\u00dfe Liebe hegt und durch die einem die Welt oft wie in einem Traum erscheint.<\/p>\n<p>Die zweite Strophe handelt von Ver\u00e4nderung. Eichendorff schreibt zwar zun\u00e4chst nur von der Ver\u00e4nderung des Baumes an sich, im weiteren Verlauf des Gedichts wird er jedoch mit dem Liebenden verglichen, weshalb man die Linde als eine Art Symbol f\u00fcr die Ver\u00e4nderung jenes Menschen interpretieren kann. <br \/>Au\u00dferdem befindet sich am Ende der zweiten Strophe ein Vergleich zwischen dem verwachsenen Schriftzug im Baum und der ebenso verschwundenen Liebe der einst Angebeteten; verwoben mit einer Ellipse (\u201eim h\u00e4rtren Stamm der vielgeliebte Zug\u201c) im siebten Vers des Gedichts.<\/p>\n<p>Die letzte Strophe zeigt, dass &#8211; obwohl das lyrische Ich wie der Baum \u201ewuchs\u201c und sich ver\u00e4nderte &#8211; die Wunden des Herzschmerzes niemals heilen. Eichendorff arbeitet im dritten Vers der letzten Strophe mit einer Alliteration und baut das W\u00f6rtchen \u201ewuchs\u201c geschickt mit zwei verschiedenen Bedeutungen ein: \u201eMeine Wunde wuchs \u2013 und wuchs nicht zu\u201c.<\/p>\n<p>Oft wird gesagt, dass die erste Liebe am schmerzvollsten sei, da bei der ersten Beziehung nicht nur die ersten Beziehungsprobleme aufk\u00e4men, sondern auch eigene Schwachpunkte oder Traumata der Kindheit. Auch in diesem Fall scheint das lyrische Ich, wie im letzten Vers beschrieben, die schmerzhaften Wunden \u201ewohl niemals mehr hienieden heilen\u201c k\u00f6nnen. Die Linde wiederum hat sich schneller erholt und die Erinnerung ist l\u00e4ngst, wie Eichendorff in Vers sechs beschreibt, \u201everwachsen und verschwunden\u201c.<\/p>\n<p>Mich pers\u00f6nlich spricht das Gedicht durchaus an, weil ich mit meinen 18 Jahren zwar wahrscheinlich noch nicht so viel von wahrer Liebe verstehe, aber nat\u00fcrlichen trotzdem auch schon meine ersten Erfahrungen mit Liebeskummer gemacht habe. Da sich also fast 200 Jahre nach Entstehung des Gedichts noch immer jemand damit identifizieren kann, w\u00fcrde ich \u201eBei einer Linde\u201c als ein zeitloses Gedicht beschreiben. Durch die Schreibweise und die Umgebung, in der das Gedicht spielt, regt Eichendorff die eigene Vorstellung an und man kann sich gut in die Gef\u00fchlslage hineinversetzen; nahezu so, als w\u00fcrde man sich eben selbst gerade \u201eBei einer Linde\u201c befinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sofia Hinterberger \/\/ 8M \/\/ J\u00e4nner 2022 <br \/>Non-Fiction \/\/ Gedichtinterpretation<\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sofia Hinterberger \/\/ 8M \/\/ J\u00e4nner 2022 \/\/ Non-Fiction \/\/ Gedichtinterpretation<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":239083,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-240378","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aycr"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/brghamerling.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240378","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/brghamerling.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/brghamerling.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/brghamerling.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/brghamerling.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=240378"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/brghamerling.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240378\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":240382,"href":"https:\/\/brghamerling.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240378\/revisions\/240382"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/brghamerling.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/239083"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/brghamerling.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=240378"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/brghamerling.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=240378"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/brghamerling.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=240378"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}