Lautes Stimmengewirr empfängt mich und in meinen Ohren dröhnt dieses ungewohnte Geräusch. Menschenmassen schieben sich an mir vorbei. Brutal werde ich, einige Gesprächsfetzen aufnehmend, einige Meter nach hinten geschoben. Weiße Rauchwölkchen schweben geisterhaft aus meinem Mund in die eisige Kälte hinein. Auch an meinen Händen, die vor Kälte ganz rot sind, merke ich den unangenehmen Frost dieses Tages.
Der weihnachtliche Geruch gebrannter Mandeln lässt mich alles Negative vergessen und zieht mich fast magnetisch hin zu einem Stand dieser Köstlichkeiten. Hell funkeln die warmen Lichter wie eine Krone über der Holzhütte. Sogleich schwebe ich in Erinnerungen an einem funkelnden, festlich geschmückten Weihnachtsbaum und fange glücklich an zu lächeln. Als ich, nach einem Erwerb an dem besagten Stand, eine kleine Papiertüte in den Händen halte, spüre ich die Wärme der frisch zubereiteten Mandeln, und der Geruch nach Zimt strömt angenehm in meine Nase. Wie hypnotisiert greife ich nach einer Mandel und schmecke auf meiner Zunge pures Glück. Seit langem habe ich mich nicht so frei und erfüllt gefühlt wie nach diesem Bissen.
Ich, von innen heraus strahlend, schaue verträumt in den nächtlichen Himmel. Plötzlich nehme ich in meinem Augenwinkel eine kleine einzelne Schneeflocke wahr, die sich ihren Weg auf die Erde bahnt und sich auf meiner Nasenspitze niederlässt. Wie elektrisiert schiele ich auf den kleinen Punkt in meinem Gesicht, und sehe, wie er durch meine Körperwärme langsam schmilzt. Abermals schaue ich in das große Schwarz und stelle erfreut fest, dass immer mehr zarte Flocken den Weg auf den Erdboden gefunden haben.
Von Abertausenden Flocken umgeben und behütet lasse ich mich fallen, in den Moment des Glücks.
Louisa Kühn-Laimer
